Inklusion braucht Quellen – das Archiv von SZBLIND

Warum ist die Geschichte des Sehbehindertenwesens in der Schweiz kaum bekannt? Warum führt das Historische Lexikon der Schweiz keinen Eintrag zu Sehbehinderung? Warum findet man dort auch keinen Artikel zu Victor Altherr (1875–1945), einem bedeutenden Interessenvertreter von blinden Menschen in der Ostschweiz? Bis heute gibt es in öffentlichen Archiven weder zu entsprechenden Organisationen noch zu den in ihnen engagierten Personen wesentliche Spuren. Sie aber wären die Grundlage für historische Forschung zu dieser Thematik.

Abhilfe ermöglicht nun das Archiv von SZBLIND, dem 1903 gegründeten Schweizerischen Zentralverein für das Blindenwesen, das sich seit kurzem im Staatsarchiv St.Gallen befindet. Die Unterlagen des Dachverbands lagerten seit vielen Jahren im Keller der Geschäftsstelle in der Stadt St.Gallen. Sie dokumentieren die Geschichte Dutzender Organisationen und Institutionen, die sich im Lauf der Zeit und bis heute vielfältig für Sehbehinderte, Blinde und Taubblinde einsetzen und damit wesentlich zur Inklusion beitragen.

In den 100 Archivschachteln sind erstmals Themen und Fragen recherchierbar, die in der Geschichte des Sehbehindertenwesens das 20. Jahrhundert prägten: Welche Bildung erhielten blinde und taubblinde Kinder? Wie gestalteten blinde Erwachsene ihren Lebensalltag? Wo fanden sie eine Erwerbsarbeit? Wie finanzierten sie ihren Lebensunterhalt? Welche Unterstützung erhielten sie vom Staat? Wurden ihre Anliegen gehört? Erlebten sie Diskriminierung in der Gesellschaft? In welcher Form?

Das Archiv von SZBLIND kann Antworten zu diesen und weiteren Fragen geben. Es ergänzt zudem andere Bestände im Staatsarchiv St.Gallen, die eine Erforschung der Geschichte der Inklusion ermöglichen. Genannt seien z.B. das Archiv der Sprachheilschule St.Gallen (A 451), Quellen aus der Fachstelle für Gehörlose (W 205) oder die Archive verschiedener Sonderschulen im Kanton.

April 2026