«Rettende Schweiz? Flucht im Rheintal»: Paul-Grüninger-Akten neu digital
«Name: Grünbaum – Vorname: Rosa – Beruf: Schneiderin – Zuständig nach: Wien – Eingereist am: 9. Dezember 1938, illegal über Diepoldsau – Einreiseerlaubnis: Hptm. Grüninger» (aus: A 143/01.7-252)
Das Beispiel von Rosa Grünbaum steht für die vielen Hundert jüdischen und anderen Flüchtlinge, die in den Jahren 1938/39, am Vorabend des Zweiten Weltkriegs an die St.Galler Rheingrenze gelangten. Sie flohen aus dem von Nazi-Deutschland besetzten Österreich und wurden von Polizeihauptmann Paul Grüninger, unter Verstoss gegen damalige behördliche Weisungen, eingelassen und so vor der nationalsozialistischen Verfolgung gerettet.
Das Museum Prestegg in Altstätten zeigt in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Hohenems seit dem 31. August 2025 unter dem Titel «Rettende Schweiz? Flucht im Rheintal» eine eindrückliche Ausstellung, die 80 Jahre nach Kriegsende an das damalige Geschehen an der Grenze erinnert.
Das Staatsarchiv St.Gallen hat nicht nur einzelne Exponate zur Ausstellung beigesteuert, sondern diese auch zum Anlass genommen, mehrere Schlüsselbestände zum Thema integral zu digitalisieren und so einer breiten Öffentlichkeit unkompliziert zur Verfügung zu stellen. Die sog. «Emigranten-Karteien» der Kantonalen Fremdenpolizei (A 143/01.4 bis A 143/01.7) enthalten über 1000 Karteikarten mit den wichtigsten Eckdaten zu den Flüchtlingen der Grüninger-Zeit. In 54 Fällen liegen die ausführlichen «Emigranten-Dossiers» zu den einzelnen Geflüchteten (A 143/03) vor, die etappenweise ebenfalls digitalisiert werden. Der Bestand A 042 schliesslich zeichnet anhand der vom Polizeidepartement geführten Akten das Schicksal von Paul Grüninger nach: von der im Frühjahr 1939 gegen ihn eingeleiteten Untersuchung über seine gerichtliche Verurteilung Ende 1940 bis hin zu seiner schrittweisen Rehabilitierung in den 1990er Jahren.
August 2025